home biography conductor composer philosophy piano soloist soundtracks & scores vocal direction audio / video concert dates older concert dates contact Porgy&Bess Rhein in Flammen Operngala Hollywood in Cologne legal information mahler's 8th Interview Interview 2 I 3 I 4 15 I 6 reviews Neue Seite 26 I 4Herr Florin, erzählen Sie etwas über sich. Sie sind Dirigent, Komponist, Arrangeur und Pianist. Woher kommen Sie, wo wollen Sie künstlerisch hin?Ich komme aus einer Familie, in der man getreu der Aussage von Leonard Bernstein "Es gibt nur gute und schlechte Musik" keine Unterschiede zwischen ernster und unterhaltender Musik machte. Dies ist für meine Sicht der Dinge heute von großem Nutzen.Von den großen Meistern Bach, Mozart, Beethoven, Schumann, Liszt usw. war ich immer fasziniert, da sie gleichzeitig Komponist, Dirigent und Pianist waren.Auch kannten diese Meister vorgenannte Grenzen in Wirklichkeit nicht, da viele Musikstücke für die damaligen Adelshöfe als Tafelmusik im Hintergrund gebraucht wurden.Das vergangene Jahrhundert brachte die Form des reinen Interpreten und die Trennung zwischen E- und U-Musik hervor, was ich in dieser Ausschließlichkeit als sehr unbefriedigend empfinde. Mich faszinierte schon immer das Geheimnis des künstlerischen Schaffens, wie Stefan Zweig es so schön beschrieben hat. Dazu muss man allerdings sein künstlerisches Handwerk lernen. Dies tat ich, indem ich mich einem intensiven Klavier- und damit verbundenen Werkstudium widmete. Um das Gelernte auf eine klanglich erweiterte Ebene zu heben, machte ich im Anschluss noch eine Dirigentenausbildung. Die Arbeit als Einstudierer an verschiedenen Theatern und Rundfunkanstalten lehrte mich vor allem die Organisation und Planung großer Projekte, die das Zusammenführen mehrerer Entwicklungsstränge zu einem Ganzen erfordern. Letztlich bildete meine Arbeit als Arrangeur für den WDR und zahlreiche Filmmusiken die Grundlage für die Kunst der Instrumentierung, ohne die ein erfolgreiches Komponieren für Orchester nicht möglich ist.Derzeit ist nun der Punkt gekommen, an dem die gelernten Inhalte zusammen geführt werden können. Wir sind als Menschen alle in unserem historischen Umfeld gefangen und können uns nur so entfalten, wie es dieses Umfeld erlaubt. Dass Beethoven heute nicht so komponieren könnte wie damals, man würde ihn als nicht zeitgemäß bezeichnen, ist eine Tatsache. Was er machen würde, ist Spekulation.Die Vielfalt der medialen Informationsflut führt dazu, dass sich die Menschen auf das beschränken, was sie schon kennen oder womit sie im Übermaß überflutet werden. Außerdem gehen die Meisten den Weg des geringsten Widerstandes und konsumieren das, was am wenigsten anstrengt. Dies führt zu einem stetigen Niveauverfall gerade in der Unterhaltungsindustrie. Auch in der Klassik-Industrie fällt auf, dass ein Modell-Outfit immer wichtiger wird.Spricht hier der Kulturkritiker?Ja, vielleicht. Denn hier sehe ich gewaltigen pädagogischen Handlungsbedarf im Hinblick auf die Allgemeinbildung gerade im Bereich der Kultur in unserer Gesellschaft. Die Hegelsche Dialektik des Epochenwechsels hat eine Beschleunigung erfahren, dass man schon von einem Sekundentakt sprechen möchte. Dauerte früher eine Epoche noch hundert Jahre, ist heute fast gar keine mehr auszumachen. Die grenzenlose Freiheit und Vielfalt ist unser Problem. Wir ersticken im Übermaß und an der Fülle der Informationen und Möglichkeiten. In der Arbeit mit dem Computer sehe ich zum Beispiel, dass es mehrere Wochen dauern würde, die Klangfarben eines einzigen virtuellen Instruments und dessen Einstellmöglichkeiten vollständig zu erforschen. In einem normalen Sequenzer-Programm gibt es davon gleich fünfzig Stück. Für unsere Kinder und Jugendlichen zeigt sich das in der Anzahl endloser Level eines einzigen Computerspiels, das so viel Lebenszeit und damit Lernzeit raubt, dass der Blick für das Wesentliche verloren geht. Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |